Wie Plastik Korallen krank macht.

Mikroplastik verdreckt die Tiefsee, Müllteppiche aus Kunststoff schwimmen im Meer. Und auch die Riffe sind verdreckt. Lest hier mehr über die verherenden Ursachen.

Ca. 11,1 Milliarden Plastikteile stecken in den Riffen des asiatischen Pazifiks. Das sieht nicht nur unschön aus – für die ohnehin bedrohten Korallen ist es eine Gefahr.

Würde man alle Plastikteile, die die Strömungen des pazifischen Ozeans zu einem riesigen Strudel formen, zusammenfügen, ergäbe sich mindestens die Fläche Westeuropas. So werden die unvorstellbaren Plastikmengen, die mittlerweile durch unsere Ozeane treiben, häufig beschrieben. Tatsächlich ist es Meeresforschern nicht möglich, auch nur ansatzweise zu sagen, wie viel es ist. Besonders, weil Plastik über die Jahre im Meer zerfällt. Unsichtbar – aber immer noch da – treibt es als Mikroplastik durch den Ozean. Doch welche Auswirkungen hat das?

Während Wissenschaftler noch nicht genau erfassen konnten, welchen Effekt das Mikroplastik auf die Bewohner der Ozeane hat, gibt es zahlreiche Hinweise, wie lebensbedrohlich größere Plastikteile für viele Arten sein können. Meeresschildkröten verfangen sich in Gummiresten oder Vögel fressen versehentlich Plastik und verhungern mit dem Magen voller Plastik.

Und auch für Korallen ist das Plastik gefährlich: Für sie erhöht sich das Risiko von Krankheiten um das 20-Fache, wenn das Riff mit Plastik vermüllt ist. Liegt das Krankheitsrisiko unter normalen, plastikfreien

 

 

Lebensbedingungen bei etwa vier Prozent, steigt es durch Plastikteile, die im Riff stecken, auf 89 Prozent. Diese Schätzung geht aus einer Studie hervor, die Biologen jetzt im Magazin Science veröffentlichten (Lamb et al., 2018). Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler 159 Korallenriffe im asiatischen Pazifik, auf denen etwa 124.000 Korallen leben, und erfassten dabei, wie das Plastik die Lebensbedingungen der Korallen beeinflusst.

Sie beobachteten, dass das Plastik durch natürliche Bewegungen und Strömungen im Wasser immer wieder mit der Oberfläche von Korallen in Kontakt kommt. Es stößt und reibt an den Tieren und verletzt dabei die oberste Gewebeschicht. Schon früher zeigten Studien, dass Krankheitserreger dann leichter Korallen befallen können, wenn das Gewebe verletzt war – wie beispielsweise der Erreger Halofolliculina corallasia, Auslöser der Krankheit skeletal eroding band (Coral Reefs, Page et al. 2007). Eine Infektion mit H. corallasi ist leicht an einem dünnen, dunklen Band zu erkennen, das sich über die Oberfläche einer Koralle zieht. Jeden Tag wandert es ein Stück weiter und hinterlässt ein lebloses, weißes Korallenskelett. So beobachteten es auch die Wissenschaftler rund um die Biologin Joleah Lamb. Besonders die Krankheit skeletal eroding band trat deutlich häufiger auf, wenn ein Korallenriff mit vielen Plastikteilen bedeckt war.

Plastik spendet gefährlichen Schatten

Verletzungen sind nicht das einzige Plastik-Problem. Tropische Korallen brauchen viel Licht, um über Photosynthese an Nahrung zu kommen. Eine Plastiktüte, die zwischen den Korallen feststeckt, spendet aber Schatten: Je mehr Tüten, desto dunkler wird es. Licht und damit auch Nahrung und Sauerstoff werden so knapper: Alle drei sind aber essenziell dafür, dass Korallen gegen eingedrungene Krankheitserreger kämpfen können.

Etwa 11,1 Milliarden größere und kleinere Plastikteile gibt es aktuell auf und in Korallenriffen im asiatischen Pazifik – in einer Region, die mehr als die Hälfte aller Korallenriffe auf der Erde beherbergt. Die Wissenschaftler schätzen in ihrer Studie, dass diese Menge bis zum Jahr 2025 noch auf beinahe 16 Millionen Teile ansteigen wird. Die Forscher rufen in ihrer Studie dazu auf, die Menge zu verringern. Durch die vielen Millionen Menschen, für die Korallenriffe über ihre Ernährung oder den Tourismus eine wichtige Lebensgrundlage bilden, sei es lebenswichtig, „die Ausbrüche von Krankheiten zu mildern, um sowohl die Gesundheit der Menschen als auch die der Ökosysteme zu verbessern“, schreiben sie in ihrer Studie.